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Rezession und Arbeitslosigkeit
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von
Traugott
Ickeroth © |
Davon allerdings spürt weder das Kleingewerbe, das Handwerk oder der Einzelhandel etwas, selbst der Mittelstand sieht sich von den Segnungen dieser Weltmeisterschaft ausgeschlossen. Allein einige wenige Großkonzerne und Kartelle sahnen gewaltig ab. Mit anderen Worten: Wir bewegen uns auf eine gefährliche Rezession zu. Deren Endpunkt wird der von vielen Ökonomen vorausgesagte „Crash“ sein, ein eruptiver Zusammenbruch der Weltwirtschaft, beginnend mit den internationalen Börsen, vergleichbar mit der Weltwirtschaftskrise vom 24. Oktober 1928 (schwarzer Freitag). Die Sprengung der 3 WTC-Türme durch Bush & Co. mag hier ein Omen sein. WTC heißt ja Welthandelszentrum, d. h., es ist mit dem Zusammenbruch des Welthandels zu rechnen. Die Bestimmung dieses Zeitpunktes ist müßig, da momentan mit künstlichen Mitteln (Neuverschuldung, Veränderung des Leit- und Diskontzinssatzes, Aktivierung der Notenpresse in den USA, Krieg, Öldiebstahl usw.) der unausweichliche Kollaps hinausgezögert wird. ![]() Arbeitslosenschlange während der Weltwirtschaftskrise in Hannover 1932/33, also nur wenige Jahre nach dem schwarzen Oktober befand sich Österreich tief in der Depression, u. a. auch die Gemeinde in Wörgl/Inn in Tirol. Dieses kleine Städtchen hatte durch viele Insolvenzen eine sehr hohe Arbeitslosenquote, keine Steuereinnahmen mehr, und war bei der Sparkasse Innsbruck hoch verschuldet.
In dieser ausweglosen Situation studierte der Bürgermeister M. Unterguggenberger (1874 - 1936) die Wirtschaftslehre Silvio Gesells, welche auf Freigeld basiert. Freigeld bedeutet frei von Zins! Die Zins, so Gesell (1862 - 1930), ist die Wurzel allen Übels. Warum? Durch den Zins wird Geld thesaurierbar, hamster- oder hortbar. Die eigentliche Aufgabe von Geld ist der effiziente Tausch von Waren oder Dienstleistungen. Dazu muß Geld fließen, umlaufen. Durch das Sammeln von Geld wird es dem Umlauf entzogen. Es ist also nicht genügend Geld vorhanden, der Absatz/Umsatz kommt ins Stocken. Aber schon Aristoteles sagte, daß „...Geld ohne Unterbruch weitergegeben werden solle, da seine Aufgabe der Umlauf sei.“ Nun ist aber durch den Zins an das Geld eine Eigenschaft geknüpft, die es einer Ware überlegen macht. Man kann es gewinnbringend anlegen, während man eine Tonne Tomaten so schnell wie möglich verkaufen muß, da naturgemäß alle Nahrungsmittel verfallen, bzw. fast alle Waren einer Wertminderung unterliegen. (Nahrungsmittel verderben, PC-Programme werden überholt, Zeitungen verlieren ihre Aktualität, Elektrogeräte gehen kaputt, Metalle rosten usw.) Gesell nun hatte die blendende wie einfache Idee, das Geld auch „verderben“ zu lassen, um es der Ware gleichzustellen. Es mußten Ende jeden Monats sogenannte Wertmarken auf die „Arbeitswertscheine“ geklebt werden, um den Wert der Note nicht verfallen zu lassen. (Ähnlich dem „Schlagsatz“, dem jährlichen Einzug der Braktaten des Mittelalters) Nach Herausgabe des Notgeldes geschah folgendes: Jeder wollte das Geld so schnell wie möglich loswerden, um keine Wertmarke (1% des monetären Wertes der Note) kaufen und auf eines der 12 Felder kleben zu müssen. Also bezahlte jeder zuerst seine Schulden oder er kaufte mit dem Geld eine Ware oder bezahlte eine Dienstleistung. Es mußten jetzt wieder Arbeiter eingestellt werden, um die Nachfrage zu befriedigen. Die Arbeitslosigkeit sank, während sie im restlichen Österreich und natürlich im Deutschen Reich weiter stieg. Und die Banken? Sie wollten das Geld natürlich auch so schnell wie möglich wieder loswerden. Niemand konnte mehr Geld horten, wenn er nicht Verlust machen wollte. Daher verliehen die Banken Geld für 0 Prozent. Sie haben richtig gelesen: Null, Zero, Nothing, Nichts! Lediglich eine kleine Bearbeitungsprämie von unter ein Prozent des Gesamtwertes. Damit erfüllten die Banken wieder ihre ursprünglich zugedachte, eigentliche Aufgabe: kostenlose Kredite den Unternehmen wie den Privaten zu Verfügung zu stellen und für den ungehemmten Geldumlauf zu sorgen. Sie haben noch eine weitere Aufgabe zu erfüllen: Sie müssen für eine ausreichende Geldmenge sorgen. Diese ermittelt sich aus der Gesamtheit des real vorhandenen Wertes an Produkten, Produktionsmitteln, Immobilien und Dienstleistungen, so daß keine zu große, aber auch keine zu geringe Geldmenge im Umlauf ist. Dadurch verlieren die Banken ihre ungeheure Macht, sie werden zu Ämtern, die lediglich für die Kreditvergabe, die Ausgabe von Wertmarken und die Kontrolle über eine ausreichende Geldmenge Verantwortung tragen.
Der heute unisono verlautende Ruf nach immer mehr Wirtschaftswachstum ist absurd. In der Natur wächst nichts ewig. Das Wirtschaftswachstum ist nur notwendig, um die immer größer werdende Zinslast zu bedienen. In Deutschland besitzen z. Zt. weniger als 10% Reiche über 50% des Kapitals. Mindestens 40% der Geldmenge steht also der Wirtschaft nicht zu Verfügung, da das Geld der Kapitaleigner damit beschäftigt ist, sich zu vermehren. Tendenz steigend. Das ist Wertschöpfung aus dem Nichts. Ohne Arbeit! Stimmt nicht ganz, denn die restlichen 90% der Bevölkerung - also wir, arbeiten für den Gewinn einiger weniger durch Zins und Zinseszins mit! Geld ist durch unsere Arbeitsleistung eine Form von Energie, für die es einen adäquaten Gegenwert darstellen soll. Diese Energie wird der breiten Masse in immer größerem Prozentsatz geraubt; ist also weg... Natürlich ist das Geld nicht weg.
In jedem Produkt, in jeder Dienstleistung, in jeder Miete sind Zinslasten versteckt. Ohne Zins würde daher alles preiswerter werden. Übrigens: Bei der betriebswirtschaftlichen Unternehmung muß der Gewinn nicht mehr rentabel, Rendite, also Zins erbringend sein, sondern nur noch lohnend (Lohn für Unternehmer und Arbeiter bringend). Aber von der Gesellschen Alternative wird die Masse selbstverständlich nicht informiert, da ganz einfach die erwähnten 10% die Medien kontrollieren.
Das aus der Not geborene „Experiment von Wörgl“ war ein voller Erfolg; Straßen wurden gebaut, Handwerksbetriebe wurden wieder in Betrieb genommen, Fabriken wurden neu gegründet oder wiedereröffnet etc. Sogar eine Skischanze wurde gebaut - und das, mitten in der Rezession! Zwei Gemeinden schlossen sich sofort an, über 140 andere bereiteten sich auf einen Anschluß vor. Der Schilling war natürlich immer noch gültig, doch das Freigeld verdrängte diese Währung immer mehr. Das rief natürlich die Österreichische Zentralbank auf den Plan, welche laut Gesetz das alleinige Ausgaberecht von Banknoten hat. Die Wörgler erhoben Einspruch, dies sei kein Geld, sondern bloße Arbeitswertscheine. Nun, das Argument zog nicht, nach knapp 14 Monaten mußte die Notgeldwährung wieder eingezogen werden. In Wörgl ging es daraufhin wieder bergab. In den über 140 anderen Gemeinden kam es nicht mehr zum Einsatz der Notwährung, da diese das Urteil des Obersten Gerichtshofes abwarten wollten. Diese zögerliche Haltung sollte sich als Fehler herausstellen. Eine große Chance wurde vertan. Die Österreichische Zentralbank war schon damals eine Aktiengesellschaft in Privatbesitz, ähnlich wie die FED ab 1913 in den USA. Natürlich geben die Superreichen ihre Volksmelkmaschine nicht aus der Hand. Bisher wurde, von einigen Freiwirtschaftlern abgesehen, auch kein Druck auf Regierung oder Zentralbanken ausgeübt. Doch im Rahmen einer ausufernden Rezession (mit ihren Folgen einer Inflation oder Deflation) werden zunehmend Kräfte aktiv, welche diese „Natürliche Wirtschaftsordnung“ (NWO+) vorziehen, um zumindest auf ökonomischem Gebiet gegen die „Neue Weltordnung“ (NWO-) vorzugehen. Angeblich leben wir in einer Demokratie. Wenn breite Schichten über den Segen einer Wirtschaftsordnung, welche auf dem Freigeld basiert, aufgeklärt sind, und diese auch öffentlich und mit Nachdruck fordern, so müßte - ein naiver Gedanke?- diese auch durchzusetzen sein. Weit über 90% der Bevölkerung würde einen großen Gewinn machen. Der Finanzadel würde zwar sein Geld behalten, könnte es aber nicht mehr mehren, sondern wäre gezwungen, es, um einem Schwund zuvorzukommen, zu investieren. Deshalb sieht Gesell auch eine Bodenreform vor: Freiland. Man kann Grund und Boden nur pachten, aber nicht an Privat verkaufen. Andernfalls würden gigantische Summen in den Ankauf von Land fließen und die Spekulanten und Superreichen würden sich über den Umweg der Pacht oder Miete den ihnen entgangenen Zins zurückholen. Daher schreibt Silvio Gesell in seinem Hauptwerk „Die Natürliche Wirtschaftsordnung“ daß das Freigeld nur ein Bestandteil der Reform ist (klar, das Wort Reform hat inzwischen einen negativen Beigeschmack). Möchten die Finanzaristokraten ihr Geld mehren, was ihr selbstverständliches und gutes Recht ist, so müßten sie etwas tun, was die meisten von ihnen noch nie getan haben: arbeiten!
Alles in Allem bringt die Natürliche Wirtschaftsordnung Vollbeschäftigung, gleichzeitig eine geringe Arbeitszeit (4 - 6 Stunden täglich). Die NWO+ wirkt umweltschonend, da nicht minderwertige, kurzlebige Waren produziert werden, was derzeit unumgänglich notwendig ist, um den Konsum - und das „Wachstum“ - aufrecht zu erhalten. Tatsächlich ist es heute so, daß Textilien in leichte Säurebäder gelegt werden, damit sie schneller reißen, oder bei Elektrogeräten absichtlich Fehlerquellen eingebaut werden, so daß man sich in immer kürzeren Abständen ein neues Gerät kaufen muß. Die NWO+ ist auch gerechter, da einer das Weltgeschehen diktierende Oligarchie (Rockefeller, Rothschild, Morgan, Du Pont, Harriman, Vanderbilt etc.) durch einen natürlichen Kapitalabfluß die Macht genommen würde. Durch das Ende der Plutokratie hätte eine Demokratie erstmals eine echte Chance. Wenn also bei der nächsten Veröffentlichung der Arbeitslosenzahlen durch die Bundesagentur für Arbeit Frau Merkel - oder wer auch immer - hilflos die Hände hebt, muß man ihr entweder Unwissenheit oder Inkompetenz attestieren, oder, schlimmer noch, daß sie nichts weiter ist als Handlanger und Instrument der Plutokraten, welche sich in Europa Bilderberger nennen, und welche Frau Merkel (und Herrn Schröder, steht nicht auf der Liste, war aber da) zu ihrem Treffen am 5. - 8. Mai in Rottach/Eger nur als hörige Befehlsempfänger einluden.
Es muß hinzugefügt werden: Wörgl war nicht das erste, aber das in der Neuzeit bekannteste Freigeldexperiment. Bereits 1926 - 1928 gab es in Deutschland eine sehr erfolgreiche Anwendung (1.000 Firmen schlossen sich an) von Freigeld mit sogenannten „Wära“, wurde aber auch von der Reichsbank im Oktober 1931 durch Reichskanzler Heinrich Brüning verboten. 1928 gab es ähnliche Versuch in der Schweiz und der Tschechoslowakei. Alle waren von Erfolg gekrönt - bis sie verboten wurden.
Silvio Gesell Zwischenzeitlich gibt es mehrere Initiativen, z. B. die INWO, welche sich für Freigeld einsetzen:
Die Stimmen mehren sich, die eine möglichst baldige Umstellung unseres Finanzsystems fordern. Werner Onken, Hermann Benjes, Iwo Muri, Helmut Creutz, Margrit Kennedy, Bernhard Wallner, oder die bereits verstorbenen John Maynard Keynes oder Prof. Dieter Suhr... Allein erscheinen diese wie Rufer in der Wüste, die Masse des Volkes sieht keine Alternative und hält das bestehende Geldsystem für unabänderlich und gottgegeben. Daher bedarf es zunächst einen Hinweis auf die Freigeldlösung. Zum zweiten muß sich scheinbar unglücklicherweise der Druck durch Geldnot und Armut noch weiter erhöhen, bis auch die letzten begriffen haben: Gegen Geldnot hilft nur Notgeld! Was in Argentinien funktioniert, funktioniert auch woanders. Daß es in der Zukunft Freigeld geben wird, ist sicher. Im Rahmen des kommenden Paradigmenwechsels werden alle destruktiven, künstlichen Systeme zusammenbrechen, um einer neuen, natürlichen Ordnung Platz zu machen. Wir können diese Tendenz aber willentlich beschleunigen.
Literaturnachweis: Schwarz, Fritz: Das Experiment von Wörgl INWO Kontaktadressen: INWO-Deutschland e.V. INWO Schweiz INWO Österreich
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